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Förderverein für Opfer der Katastrophe von Tschernobyl in Weißrussland e.V.
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64342 Seeheim-Jugenheim
Nach 29 Jahren ist Schluss  Von Jürgen Buxmann  Erschienen am 08.07.2019 um 04:00 Uhr, zuletzt geändert am 08.07.2019 um 07:18 Uhr  Letztmals sind weißrussische Jugendliche zur Erholung in Südhessen. Grund: die "Tschernobyl - Kinderhilfe Seeheim - Jugenheim " findet immer  weniger Sponsoren.
Zum letzten Mal betreuen Detlev und Karin Voigt (links vorne) sowie Otfried und Annemarie Ganzert (vorne rechts) Jugendliche aus Weissrussland, die unter den Spätfolgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden. Foto: Karl-Heinz Bärtl SEEHEIM-JUGENHEIM - Es ist das Aus nach 29 Jahren. Zum letzten Mal sind derzeit 17 weißrussische Kinder und Jugendliche, die durch die Folgen der Atomreaktorkatastrophe im heute ukrainischen Tschernobyl (nahe der Grenze zu Weißrussland) geschädigt sind, zu einem dreiwöchigen Erholungsaufenthalt in Südhessen zu Gast. Finanziert wurden die Aufenthalte in den vergangenen fast drei Jahrzehnten vom Verein "Tschernobyl- Kinderhilfe Seeheim-Jugenheim". Mehr Hilfe vor Ort Die Gründe für das Ende der Erholungsbesuche sind vielfältig. Großspender seien verstorben oder hätten sich zurückgezogen, sagen Karin und Detlef Voigt vom Hilfsverein. Im vergangenen Jahr starb mit Hilde Weber zudem eine der tragenden Ehrenamtlerinnen und Geldbeschafferinnen. Neben der Vorsitzenden Karin Voigt (76) und Ehemann Detlef (77) gehören auch Annemarie (77) und Otfried Ganzert (79) zum Vereinsvorstand. "Wir gehen alle auf die 80 zu", nennt Detlef Voigt als weiteren Grund. Der Rückzug gehe aber nicht zu Lasten der kranken Jugendlichen, sagen die Hilfsaktivisten aus Seeheim. Wesentlich für die Entscheidung zum Rückzug sei auch gewesen, "dass sich die Bedingungen und Zuständigkeiten in Weißrussland geändert hätten. Der Elternverein, zu dem wir dort viele Jahre einen intensiven Kontakt hatten, hat sich verändert, konnte seine Aktivitäten ausweiten. Zwar wurden die Erholungsaufenthalte im Ausland immer mehr eingedämmt, dafür aber der Schwerpunkt auf die Beschaffung von Medikamenten verlegt. Es gelang den Helfern in Weißrussland, Medikamente im großen Stil aus den USA zu bekommen. Dagegen ist die Menge der Medikamente, die wir jährlich beischaffen konnten, eher gering", sagt Detlef Voigt. Und Karin Voigt ergänzt: "Es geht weiter mit der Hilfe vor Ort. Die Menschen werden nicht alleine gelassen." Ein Trost sei das und habe die Entscheidung, die Erholungsaufenthalte in Südhessen einzustellen, etwas leichter gemacht. 29 Erholungsaufenthalter gab es, jedes Mal kamen 17 Jugendliche nach Seeheim. Die wohnten zunächst im Falkenheim in der Seeheimer Sandstraße, seit 2005 dann im Kreisjugendheim Ernsthofen. "Bei mehr als 17 Jugendlichen hätten wir einen Betreuer mehr gebraucht, drum die Reglementierung", erklärt Otfried Ganzert. Finanzierung immer schwieriger Für den Aufenthalt seien jährlich zwischen 12 000 und 15 000 Euro nötig. "Zuletzt generierten wir rund 4000 bis 5000 Euro", sagt Detlef Voigt. Trotz zunächst zahlreicher Unternehmen, die Geld als Sponsoren in das Projekt gaben, sei die Finanzierung durch Rückzüge von Geldgebern immer knapper geworden. In 29 Jahren haben die Voigts und Ganzerts viel erlebt mit ihren Besuchern. Jugendliche mussten als Notfallpatienten in die Klinik. Und auch die Folgen der Atomkatastrophe veränderten sich. "Anfangs kamen sehr viele Leukämiepatienten und solche mit Tumoren im Kopf. Heute sind es vor allem junge Menschen mit Hoden- und Eierstockkrebs", sagt Karin Voigt. Der Verein soll bestehen bleiben, sagt Otfried Ganzert. "Wir beenden die Erholungsaufenthalte, aber wir lösen den Verein nicht auf." Noch bis zum 21. Juli dauert der Aufenthalt der letzten Gästegruppe. Er wird enden wie in den vergangenen Jahren auch: Mit einem Abschlussfest und einer DVD mit Fotos und einem Film. Den dreht wie immer Detlef Voigt und er ist eine Erinnerung für die Gäste an ihre Ausflüge und Erlebnisse in Südhessen.
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